Akupunktur

Die jahrtausendalte, traditionelle Medizin der Chinesen besteht aus mehreren Säulen: Akupunktur, Tuina, QiGong, chinesische Diätetik und chinesische Kräutertherapie. Diese Behandlungsformen dienen dazu, die Grundsubstanzen Qi, Xue, Jing, Shen und Jinye zu harmonisieren, zu stärken oder Blockaden zu lösen. Sie werden individuell an die speziellen Bedürfnisse des einzelnen Patienten angepasst. Hierzu wird vor Behandlungsbeginn eine ausführliche Anamnese nach TCM-Kriterien erstellt. Diese beruht im Wesentlichen auf der Ba Gang und den Wandlungsphasen. Die Organbezeichnungen der Funktionskreise der TCM sind dabei nicht gleichzusetzen mit den inneren Organen der westlichen Medizin.

Die bei uns bekannteste Behandlungsform der TCM ist die Akupunktur. Dabei werden dünne Nadeln in die Akupunkturpunkte auf den Leitbahnen (Meridianen) gestochen. Durch Stimulation der Akupunkturnadeln können Blockaden oder Stagnationen des Qi-Flusses in den Leitbahnen (Meridiane) gelöst oder das Gleichgewicht von Yin und Yang in den Funktionskreisen wiederhergestellt werden. Auch bei der Akupunktur selber gibt es noch verschiedene Formen (z.B. Ohrakupunktur, Körperakupunktur, Mikrosysteme usw.) und Techniken (z.B. Triggerpunktakupunktur, Very Point Akupunktur, Moxibustion), die eine optimale Anpassung an die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten ermöglichen.

Indikationen

Die größten und bekanntesten klinischen Studien in Deutschland zur Akupunkturwirkung waren die Modellvorhaben der Krankenkassen, die vor über zehn Jahren zu den Indikationen Migräne/Spannungskopfschmerz, Kniegelenksarthrose und chronische LWS-Beschwerden durchgeführt wurden. In der Folge wurde die Akupunktur bei diesen Indikationen als Leistung der gesetzlichen Kassen übernommen.

Auch zu vielen anderen Erkrankungen, vor allem des Bewegungsapparates, existiert mittlerweile eine Vielzahl an klinischen Studien, die eine positive Wirkung der Akupunktur zeigen konnte. Auf der Homepage der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur finden Sie eine Zusammenstellung von aktuellen und wegweisenden Akupunkturstudien. Den Link finden Sie hinter dem jeweiligen Beschwerdebild:

  1. Rückenschmerzen
  2. Kopfschmerzen
  3. Schulter-Arm-Schmerzen
  4. Ellenbogenschmerzen
  5. muskulärbedingte Schmerzen
  6. Schlafstörungen
  7. Heuschnupfen

In Kürze werden Sie dort noch zusätzlich Literatur zu den Themen Kniebeschwerden, Depressionen und Symptomlinderung in der Onkologie/Palliativmedizin finden können. Sollte Sie unsicher sein, ob Akupunktur bei Ihren Beschwerden hilfreich sein könnte, können Sie mich gerne für ein kurzes, kostenloses Beratungsgespräch kontaktieren.

Akupunkturformen

Körper-Akupunktur

Meistens werden lokale, symptombezogene Punkte mit Fernpunkten kombiniert, die gemäß der Diagnose der traditionellen chinesischen Medizin ausgewählt werden. Die TCM-Diagnose richtet sich nach Dysharmonie-Mustern. Die Therapie wirkt dabei nicht nur auf die Schmerzregion, sondern auf den gesamten Organismus.

Triggerpunkt-Akupunktur

Triggerpunkt-Akupunktur

Aktivierte muskuläre Triggerpunkte sind schmerzhafte Muskelverhärtungen. Durch Druck kann eine charakteristische Schmerzausstrahlung provoziert werden. Triggerpunkte können für verschiedene akute und chronische Schmerzsymptomatiken verantwortlich sein. Durch Nadelung in diese Punkte kann der Teufelskreis aus Schmerz und Muskelverspannung sanft und effektiv durchbrochen werden.

Ohr-Akupunktur

Ohrakupunktur

Die Akupunkturpunkte im Ohr werden mit besonders feinen Nadeln stimuliert. Den Ohrpunkten wird eine Beziehung zu den Organen zugeschrieben, aber auch vegetative, psychomodulatorische oder analgetische Wirkung.

Schröpfen

Schröpfen

Schröpfen ist ein ausleitendes Verfahren. Durch Unterdruck wird die Haut und das Gewebe darunter angesaugt und massiert. Die Massage und Durchblutungsförderung tragen dazu bei, muskuläre Verspannungen zu lösen.

 

Wissenschaftliche Erklärungsmodelle für die Akupunkturwirkung

Oft werden Akupunktureffekte von kritischen Stimmen auf reine Placeboeffekte reduziert. Dabei werden die unzähligen Forschungsergebnisse zu Wirkmechanismen der Akupunktur ignoriert, die ein wesentlich komplexeres Bild zeichnen. Nach aktuellen Ergebnissen geht man von einem Zusammenspiel mehrerer Mechanismen aus, um die klinischen Akupunktureffekte zu erklären (1, 2). Insbesondere bei der Akupunkturanalgesie, der Regulation von viszeralen Funktionen sowie der Immunmodulation scheint die Freisetzung von Neurotransmittern, besonders Opioiden, im zentralen Nervensystem und die Aktivierung des sympathischen oder parasympathischen Nervensystems eine wichtige Rolle zu spielen (3-5). Diese Akupunktureffekte werden vermutlich über eine Aktivierung des Hypothalamus erzielt (6). Bezüglich der anti-inflammatorischen Effekte konnten mehrere experimentelle Studien außerdem Ergebnisse finden, die auf eine Beteiligung der HPA-Achse hinweisen (7). Zusätzlich zu den neuroendokrinen und hormonellen Effekten, ist die segmentale Hemmung der Reizweiterleitung auf Rückenmarksebene (8) von großer Bedeutung für den Akupunktureffekt in der Schmerztherapie. Im Hinblick auf die jüngsten Erkenntnisse zur Bedeutung der Faszien, ist die Beobachtung mit dem Laser-Scanning-Mikroskop besonders interessant, dass die uni- und bidirektionale Rotation der Akupunkturnadel eine aktive Antwort des Zytoskeletts der Fibroblasten verursachen konnte (9).
 

  1. Grasmuller S, Irnich D. [Acupuncture in pain therapy]. MMWFortschrMed. 2007; 149(25-26): 37-9.
  2. Lin L, Skakavac N, Lin X, Lin D, Borlongan MC, Borlongan CV, et al. Acupuncture-Induced Analgesia: The Role of Microglial Inhibition. Cell Transplant. 2016; 25(4): 621-8.
  3. Sato A, Schmidt RF. The modulation of visceral functions by somatic afferent activity. Jpn J Physiol. 1987; 37(1): 1-17.
  4. Mori H, Nishijo K, Kawamura H, Abo T. Unique immunomodulation by electro-acupuncture in humans possibly via stimulation of the autonomic nervous system. Neuroscience letters. 2002; 320(1-2): 21-4.
  5. Han JS. Acupuncture: neuropeptide release produced by electrical stimulation of different frequencies. Trends Neurosci. 2003; 26(1): 17-22.
  6. Napadow V, Kettner N, Liu J, Li M, Kwong KK, Vangel M, et al. Hypothalamus and amygdala response to acupuncture stimuli in Carpal Tunnel Syndrome. Pain. 2007; 130(3): 254-66.
  7. Napadow V, Ahn A, Longhurst J, Lao L, Stener-Victorin E, Harris R, et al. The status and future of acupuncture mechanism research. J Altern Complement Med. 2008; 14(7): 861-9.
  8. Baeumler PI, Fleckenstein J, Benedikt F, Bader J, Irnich D. Acupuncture-induced changes of pressure pain threshold are mediated by segmental inhibition--a randomized controlled trial. Pain. 2015; 156(11): 2245-55.
  9. Langevin HM, Bouffard NA, Churchill DL, Badger GJ. Connective tissue fibroblast response to acupuncture: dose-dependent effect of bidirectional needle rotation. J Altern Complement Med. 2007; 13(3): 355-60.